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Kathrin Röggla: Nichts sagen. Nichts hören. Nichts sehen. (EBook, Deutsch language, FISCHER E-Books) No rating

Wir hören nicht zu, weil es uns schon erzählt wurde. Wir hören nicht zu, weil es unsinnig ist. Wir hören nicht zu, weil man uns ständig Vorwürfe macht. Wir hören nicht zu, weil wir nicht wirklich gemeint sind. Wir hören nicht zu, weil die Sache zu groß ist. Wir hören nicht zu, weil es an der Problemlage vorbeigeht. Wir hören nicht zu, weil sich die Geschichte erschöpft hat. Wir hören nicht zu, weil ohnehin nichts geschieht.

Nichts sagen. Nichts hören. Nichts sehen. by  (Page 158)

Die Aufzählung geht noch ein wenig weiter und ich glaube, selbst dann ist die Liste noch nicht erschöpft, weil das Zuhören so verdammt schwerfällt, weil es uns aufzeigen könnte, dass unsere Annahmen, auf die wir unsere Leben aufbauen, vielleicht nicht ganz richtig sind und wir umdenken müssten.

Zuhören bedeutet, innere Widerstände zu unterdrücken, sie wenigstens für den Moment nicht zuzulassen, um die Gedanken der anderen, die Blickwinkel, die Erfahrungen zuzulassen. Um sie verstehen zu können. Das bedeutet ja nicht, sie auch zu übernehmen, sie plötzlich gut zu finden, aber das bedeutet, einen Diskussionsraum zuzulassen.